Tolles Jubiläum: Ein Apple-Anwender der ersten Stunde erinnert sich
Mit Seriennummer 000005
von Hilmar
Ich bin schon seit Dezember 1979 der Firma Apple treu. Damals konnte ich mir den Apple ][ – so die korrekte Schreibweise – noch nicht leisten. Viele Ingenieure nutzten ihn dank seiner offenen Bauweise, um Geräte zum Messen und Regeln in der Industrie zu entwickeln.
Der Mac 128k war dann 1984 ein echter Meilenstein, auch wenn der IBM PC aufgrund der Firmengröße und Bekanntheit durch andere IT-Entwicklungen über viele Jahre das Bild in den Büros dieser Welt prägte. Ich war jedenfalls von dem revolutionären MacOS begeistert, das Andy Hertzfeld und Bill Atkinson für den 68000 von Motorola entwickelt hatten. Die beiden haben da wirklich Großartiges geleistet. Auf der Cebit 1984 stellten Steve Jobs und Steve Wozniak diesen Computer sogar mit Drucker vor. Der Preis war damals schon recht hoch.
Chef vom Mac 128k überzeugt
Mein damaliger Chef und Firmeninhaber hatte die großartige Idee, eine Handbuchsammlung zur Lernmethode nach Prof. Lozanov in Vaduz, Liechtenstein, zu schreiben. Ich war für die Skizzen, Zeichnungen, Gestaltung und Textbilder zuständig. Ich hatte den Mac von der Cebit im Kopf und schlug vor, diesen Computer für unser Projekt einzusetzen. Das wurde genehmigt, weil ich die Zeit- und Materialersparnisse genau ausrechnen konnte.
Wir haben Grafiken und Fotos direkt im Text mit MacWrite erstellt, Skizzen mit MacDraw gezeichnet und ein Diskettenlaufwerk mit 3,5“-Disketten verwendet. Diese Disketten waren damals in ganz Deutschland und in der Schweiz noch nicht erhältlich.
Es gab manche Herausforderungen, aber auch viele spannende Erlebnisse. Im Hotel in Vaduz habe ich den Mac oft abends präsentiert.
ImageWriter unter der Decke
Ich hatte das Gerät mit Drucker ImageWriter persönlich bei der Apple GmbH in Haar bei München abgeholt. Er hatte die Deutschland-Seriennummer 000005. Die Disketten bekam ich durch einen glücklichen Zufall bei HP in Zürich und die Farbbänder sandte Apple mir freundlicherweise per Post zu.
Nachts habe ich im Hotel unter der Bettdecke gedruckt. Es wurde ein großer Erfolg! Der Apfel hat mich von damals bis heute begeistert. Nach der Fertigstellung der Unterlagen habe ich den Mac mit Drucker und allem Drum und Dran vom Chef geschenkt bekommen. Was für eine tolle Prämie!
Mit Verkauf und Neukauf konnte ich mich in der Apple-Porduktpalette weiter vorwärts arbeiten. Als der Mac Plus und der Classic herauskamen, lief mein Geschäft als RAM-Aufrüster plötzlich richtig gut. Ich habe die Macs geöffnet, die Hochspannung abgeleitet, das Bord entnommen und die RAM-Erweiterung auf die vorhandenen Speicherbausteine aufgelötet. Die alten Chips habe ich dann einfach abgeschaltet. Das sah echt cool aus und ein Mac Plus mit 1 MB RAM war schon ordentlich zu gebrauchen.
Als Promoter für Apple erfolgreich
Damals gab es noch keine Apple-Shops. Computerland hat Apple nebenbei vertrieben. Das war kein Spielcomputer wie die Commodore oder TRS80. Ich habe samstags bei Computerland die Mac-Promotion gemacht und ein Paket 3.5“-Disketten bekommen. Das hatte einen Wert von 120 DM! Die wurden dort nicht einzeln verkauft, sondern man kaufte so ein Paket im Kollektiv und teilte sich die 10 Stück dann privat. Dabei habe ich viele Macianer kennengelernt!
Microsoft brachte als erstes Programm für den Mac ein kleines Excel heraus und das war wie jede Tabellenkalkulation der Renner. Finanz-User mochten das sehr gerne!
Ich habe im Laufe der Jahre immer wieder meine Macs verkauft und neue gekauft und mich dabei weiterentwickelt.
Als Steve Jobs das Unternehmen verließ, herrschte eine gewisse Traurigkeit und Skepsis, da der neue CEO zwar viele neue Geräte einführte, aber nicht so viele bahnbrechende Innovationen brachte. Letztendlich gelang Apple aber doch noch der Turnaround und sie erschlossen neue Märkte, wie zum Beispiel mit dem iPod. Der war anfangs nicht so mein Ding, daher habe ich die Geräte auch nicht behalten oder gesammelt.
3D-Animationen als Leidenschaft
Als sich jedoch das Thema Video entwickelte, war ich wieder voll dabei, da das mein Hobby ist, insbesondere Animationen. Dabei habe ich in den USA zufällig die Software Strate Studio entdeckt. 3D stellte Mensch und Maschine vor echte Herausforderungen und das Rendern kleiner, kurzer Animationen dauerte Stunden auf den Intel-Macs. Diese großartige Software habe ich heute noch und muss mal mit den Herstellern Kontakt aufnehmen, um ein Update auf M5 oder M6 zu erhalten.
Ich habe zum Beispiel Filmchen über die Brennstoffzelle für die Weltausstellung 2000 in Hannover gemacht. Das war damals schon eine Herausforderung, weil die Maschinen noch nicht so schnell waren wie heute. FireWire und so weiter, das hat alles dazu beigetragen, die Geschwindigkeit zu erhöhen, weil die Netze wie AppleTalk damals noch etwas langsamer waren.
Man konnte nämlich zur Filmgenerierung mehrere Macs weltweit zu einem Sender-Cluster zusammenschalten. Der Hauptrechner hat dann das Bild in Kacheln aufgeteilt und wenn man ein Cluster mit zwölf Macs hatte, wurden diese Kacheln automatisch an die einzelnen Macs geschickt. Nach der Fertigstellung wurden sie dann wieder an den Master-Mac zurückgeschickt und zusammengefügt. Das war schon damals machbar, aber mit einem gewissen Aufwand verbunden.
Heute reicht die Rechenleistung eines iPhones locker aus, um so etwas in 4K oder sogar höher zu machen. Es ist wirklich beeindruckend, wie sich die Technik entwickelt hat!