Apple Vision Pro im Einsatz: Das sind die Erfahrungen aus der Praxis

Tagebuch Teil 1

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Ein Benutzer einer Apple Vision Pro putzt sich die Zähne.
Voll alltagstauglich: Beim Zähneputzen mit der Apple Vision Pro.

Tag 1: Start mit „James Bond“ und Abwasch

Die Einrichtung der Vision Pro läuft wie im Apple Store erlebt, nur dass diesmal die Synchronisation meiner Daten per Apple ID erfolgt – also sind Mail, Nachrichten usw. gleich konfiguriert. Diesmal nehme in meine eigenen Fotos und lasse in Sekundenschnelle räumliche Varianten errechnen. Und schon stehe ich wieder vor der Drehscheibe im nächtlichen Wernigerode… Natürlich ein Test meines neuen Heimkinos: „James Bond – keine Zeit zu sterben“ in 3D in allen erdenklichen Sitzpositionen in Parkett oder Loge. Hammer! 

Also auf zum Alltagstest: Beim Abwaschen bestelle ich meiner Mutter per FaceTime Geburtstagsgrüße. Die Plauderei mit Axel dauert länger. Gemeinsam entdecken wir die Funktion „Ansicht teilen“ – so sieht er nicht nur meine schmutzigen Tassen und Teller, sondern auch sein Abbild frei im Raum schweben. Oh, die Zeit wird knapp – aber selbst Zähneputzen ist mit der Vision Pro machbar. Ein Ziegelstein vor den Augen? Ich empfinde einen leichten Druck, fast wie bei meiner normalen Brille.

Screenshot der App Apple TV mit „James Bond“.
Freie Platzwahl: „James Bond“ in 3D – Fotos aus dem Kino sind natürlich dann nicht mehr erlaubt.

Tag 2: So funktioniert die Tastatur

Zeit, mit der Vision produktiv zu werden. Weil die Arbeit auf der virtuellen Tastatur für größere Texte wenig komfortabel ist, und das Diktieren mir sicher einen Büroverweis einbringen dürfte, kopple ich eine Tastatur per Bluetooth. Kurzes Grübeln: Schaue ich jetzt auf das Fenster, in dem ich Text eingeben will oder auf die Tastatur und kann die Eingabe nicht kontrollieren? Apples Ingenieure haben mitgedacht. Sobald ich mit dem Tippen beginne, schwebt eine Palette und zeigt den gerade getippten Text.

Ein Blick in den noch sehr überschaubaren AppStore: Während Microsoft Word, Excel und PowerPoint in angepassten Versionen anbietet, offeriert Apple nur Keynote.

Tag 3: In freier Wildbahn

Am Abend wage ich meinen ersten Ausflug ins Freie. Sky Guide soll meine astronomischen Fähigkeiten verbessern. Aber das Licht der Straßenlampen stört den Blick auf die Sterne. Also ein paar Meter weiter. 

Meine Versuche, die Vision zu überlisten, misslingen. Das Fenster, das auf dem Hinweg rechts von mir schwebte, hängt auf dem Rückweg korrekterweise links.

Bildschiormfoto der App Sky Guide in der Apple Vision One
Dem Sternenhimmel so nah – Sky Guide hat seine App als eine der ersten an die Apple Vision Pro angepasst.

Tag 4: Entdeckungen im AppStore

Der nächste Ausflug in den AppStore. Spatial Station soll zum Austausch räumlicher Videos dienen – aber das Angebot ist aktuell noch sehr überschaubar und vor allem ziemlich flach. Alltagsszenen, die ein wenig an die ersten Filme der Gebrüder Lumière erinnern.

Microsoft Teams ist da schon vielversprechender. Die Einrichtung des Privatkontos klappt sofort, aber die des Dienstkontos erweist sich – wegen der Zwei-Faktor-Authentifizierung – als komplizierter.

Nur Sekundensache ist dagegen das Koppeln der Bluetooth-Maus. Der Zeiger wird als kleiner Punkt dargestellt. Die Kombination von Eye-Tracking und Maus dürfte sich bei komplexeren Programmen als sinnvoll erweisen.

Tag 5: In virtuellen Umgebungen

Edge und Slack haben den Weg auf die Vision Pro gefunden. Kurze Verwirrung, weil sie in der an die entsprechende iPhone- und iPad-Ansicht erinnernde Übersicht des Startbildschirm nicht zu entdecken werden. Aber es handelt sich ja um keine „echten“ Apps für die Vision Pro, sondern nur um „Kompatible“. Den Programmen „zweiter Klasse“ hat Apple einen eigenen Ordner spendiert. 

Ist es wirklich sinnvoll, meine Anwendungen – gerade für den Arbeitseinsatz – im realen Raum zu positionieren? Als Alternative bieten sich die virtuellem Umgebungen an – beeindruckende 360-Grad-Panoramen, etwa des Yosemite-Nationalparks. Am Mount Hood regnet es sogar, das Geräusch der fallende Tropfen verschwindet, sobald ich eine App öffne.

Durchs Drehen der digitalen Krone kann ich die Immersion bestimmen, also den Grad, in dem reale und virtuelle Umgebung miteinander verschmelzen. Ganz schlicht und fokussiert auf die Aufgaben präsentieren sich Sommer-, Winter-, Frühlings-, Herbst- und Morgenlicht. Sie überlagern allerdings nur die reale Umgebung – blenden sie aber nicht vollständig aus.

Screenshot einer Umgebung (Yosemite-Nationalpark im Winter) auf einer Apple Vision Pro
Realistisch, nur frieren muss man nicht: Wem das Büro zu eintönig ist, kann sich in eine virtuelle Umgebung Zurückziehen, hier Yosemite-Nationalpark im Winter.

Tag 6: Optic ID und eine Frage der Sicherheit

Das Rätsel um den Dienst-Account bei Teams ist gelöst! „Du bist echt der Erste, der das versucht hat“, sagt mir ein Kollege unserer IT-Abteilung. Ich hatte brav ein Ticket aufgegeben, um das Problem zu platzieren: Microsoft „Entra“, den meisten wohl eher noch als „Azure“ bekannt, mäkelt nach einigen Experimenten final, dass die Vision Pro nicht mit iOS 18.3.1 liefe, also unsicher sei. 

Ich lerne: Entra unterscheidet offenbar nicht einmal zwischen iOS und iPad OS. Da ist natürlich visionOS 2.3 ein Problem. Und ich bin jetzt ein Problem „ganz oben“. Ob räumliche Computer schon in unserer IT-Landschaft mitmischen dürfen, muss erst entschieden werden.

Ich für meinen Teil finde Optic ID nicht nur sicher, sondern praktisch. An den Sound, der ertönt, wenn meine Iris gescannt wird, habe ich mich schon gewöhnt. Optic ID hat den gleichen Funktionsumfang wie Touch ID und Face ID.

Tag 7: Teures Zubehör und preisgünstige Bastellösungen

Der expandierende Zubehörmarkt für die Vision Pro bringt mehr oder minder sinnvolle Accessoires hervor. Eine Hartschalentragetasche (40 Euro) und einen Gurt für den Akku (16 Euro) habe ich mir gleich am Anfang zugelegt. Belkin offeriert – exklusiv bei Apple – ein Travel Bag (120 Euro). Ob ich wirklich den zusätzlichen Objektivschutz brauche – auf eBay für unter 10 Euro zu haben – weiß ich nicht, aber eins ist klar: Die Optical Inserts – also die auf meine Stärken angepassten Gläser – werde eine Aufbewahrungsmöglichkeit brauchen, wenn andere Familienmitglieder, Kollegen die Vision Pro einmal selbst ausprobieren wollen. 

Der Druck nimmt zu. Das „Ding“, das eben keine Brille ist, macht neugierig. Apple wäre gut beraten, mobile Teams durch die Lande zu schicken, um mehr Menschen für den räumlichen Computer zu begeistern. Der „Vision Truck“ vielleicht?

Da der Zubehörmarkt (noch?) keine brauchbare „Zeiss Optical Inserts Box“ hergibt, mache ich mich auf den Weg zum Optiker meines Vertrauens. Wir fachsimpeln über die Möglichkeiten und denkbare Gefahren des Arbeitens in 3D. Am Ende habe ich einen weiteren „Vorführtermin“ versprochen und ein Brillenetui abgestaubt, in das die Inserts ganz gut passen. 

Zubehör für die Apple Vision Pro
Gekauft und „organisiert“: Es gibt schon Zubehör für die Apple Vision Pro, aber nicht jeder Anwendungsfall ist abgedeckt.